Herr Jobs, Respekt muss man sich verdienen …

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… un den meinen haben sie verloren und das hat nur 22 Tage gedauert.
 
Seit dem Lauch des iPhone4 – dem geilsten Minicomputer mit Telefonfunktion, den ich je in der Hand gehalten habe – gibt es das berühmte Problem mit der aussenliegenden Edelstahlantenne und den Schwitzfingern der Menschen. Der eine hat das Problem, die andere nicht – mal wird es nachgewiesen und mal nicht. Steve Jobs macht sich angeblich die Mühe ein „Du hälst es falsch“ in eine eMail zu rotzen schreiben, die prompt um die Welt geht und es wird das getan, was heute alle tun wenn Sie ein Problem haben – richtig – erstmal dementieren und rumlabern. Andere spekulieren, dementieren oder bringen eine App dazu heraus. Mittlerweile sitzt der iPhone4-Besitzer zuhause und lernt schnell den „Todesgriff“ und kann so den Einbruch des Antennensignals und dann den Abbruch der Verbindung nachvollziehen.
 
Dann meldet sich der amerikanische Verbraucherschutz zu Wort, testet das iPhone4, findet es in allen Bereichen prima, beweist unter Laborbedingungen aber, dass es das Antennenproblem gibt. Und während sogar Apples Börsenkurs einbricht, hat man dort zunächst nichts Besseres zu tun, als Foreneinträge, die auf den öffentlichen Bericht der Verbraucherschutzorganisation verweisen zu löschen und damit Zensur auszuüben. Dann stellt man überraschend fest, dass das Berechnungsverfahren für die Empfangsstärke falsch ist, rechnet ein oder zwei Balken herunter und gibt in Windeseile ein Update für das iOS4 heraus, u.a. als Vorbereitung für die bald folgende Pressekonferenz. Im Vergleich musste ich über 8 Wochen warten, bis am gleichen Tag das lang ersehnte iPad-OS-Update herauskam das endlich den nervigen WiFi-Bug behebt.
 
Offenbar sieht man nun ein, dass die Welt oder auch nur 3,5 Millionen iPhone4-Käufer darauf warten, dass sich die Jungs im coolen Rolli und den Designerjeans dazu äussern. Es gibt eine Pressekonferenz – von den meisten auch Krisenkonferenz genannt. Und dort erklärt man u.a. dass nur 0,55% der iPhone4-Käufer von einem Antennenproblem sprechen, die Rücklaufquote wesentlich geringer sei als beim iPhone 3GS, deutet mit dem Finger auf andere Smartphonehersteller (mit Video) und zeigt das diese auch Antennenprobleme hätten. Man gesteht ein, dass Apple so perfekt gar nicht ist und bevor man am Ende gar von Verschwörungstheorien spricht, gibt es ‚Bumper‘ und ähnliche Cases, die die Antenne gegen Schwitzfinger schützen ab ende nächster Woche gratis im AppleStore. Dann betont Herr Jobs noch einmal, dass es ein Antennenproblem beim iPhone4 gar nicht gibt und führt die Aktion Bumper for free damit ad absurdum. Der gesamte Live-Ticker kann hier (online) oder hier (PDF) nachgelesen werden oder hier als Video direkt bei Apple angesehen werden. Ausserdem gibt es eine Apple-eigene (englische) Sonderseite zur Antennen-Problematik.
 
22 Tage nach Bekanntwerden des ‚Todesgriffs‘ gibt es also eine Tasche für das iPhone4 von Apple für umme, ohne Anerkennung eines Problems – einfach mal so. Bis dahin hat man dementiert, laboriert und zensiert, statt sich gleich hinzustellen und zu sagen:
 
„Hey – das Problem hat keiner von uns unter Laborbedingungen bemerkt. Nimm eine unserer Taschen und wenn Du das nicht willst, bekommst Du Dein Geld zurück.“
 
Aber nein … Apple musste tun, was alle in solchen Fällen tun, verleugnen, verschleppen um dann grossmütig bei einer Pressekonferenz zu leugnen, mit dem Finger auf andere zu zeigen um am Ende so zu tun, als könnte man das alles mit einer Gratistasche aus der Welt räumen. Darüber hinaus hat die Hotline der Deutsche Telekom einen Lieferstopp für das iPhone4 bis September 2010 bestätigt – vielleicht dann ja mit einer Lösung des Antennenproblems.
 
Ich kaufe Apple-Produkte – und ich habe recht viele davon – nicht weil sie cool sind, sondern weil sie mir gefallen und weil sie zuverlässig das tun, was sie sollen. Das wird auch beim iPhone4 für mich so sein.
 
Aber … meinen Respekt Herr Jobs – den haben Sie auf Sicht erst einmal verloren …
 
Ach ja … das Zeigen des folgenden Videos auf der Pressekonferenz halten ja viele für cool – ich behaupte es ist Apple nicht anderes eingefallen als das zu tun – PR eben – und wer weiss – in einem andere Fall hätte man es vielleicht sogar versucht zu verbieten?!
 

 
Edit:
In der Tat habe ich, wie pixel.piet in den Kommentaren erwähnt, vergessen zu erwähnen, dass Herr Jobs sein Angebot erneuert hat, dass jeder der unzufrieden ist, sein iPhone4 zurück geben kann.
 
Telekom erweitert FAQ um iPhone 4-Empfangsprobleme und bittet Kunden um Geduld.
 
SpOn: Blogger kritisieren Apples Krisenmanagment
 
Die Schutzhüllenaktion wird Apple etwa 45 Millionen US Dollar kosten.
 
Edit 2: (19.07.10)
Bei Twitter ist zu lesen, dass zumindest der Apple Store in Frankfurt nichts davon weiss, dass iPhone4-Kunden die Kosten für dem ‚Bumper‘ zurück erstattet werden.
 
Ein Besuch meinerseits im T-Punkt bringt das Ergebnis, dass man dort nichts davon weiss, dass man das iPhone zurück gegeben kann und sein Geld wieder bekommt und auch bei Neukunden würde das nicht zur Vertragsauflösung führen.
 
Auch die Deutsche Stiftung Warentest (danke Tatyana für den Link) kommt zum gleichen Ergebnis, wie ihre amerikanischen Kollegen vom Verbraucherschutz.
 
Reaktionen von HTC, RIM und Nokia

10 Gedanken zu “Herr Jobs, Respekt muss man sich verdienen …

  1. @Day: Das hört sich schon alles cool an! Aber dann warte ich noch bis die Nachlieferungen da sind (wann ist das?), ich würde wohl eh erst am September eines umsonst bekommen (Vertragsverlängerung im März 2011) ;)

  2. >Und bitte erspare mir an dieser Stelle alle weiteren Kommentare zur Art und Weise des Diskussionsstils, die wir an anderer Stelle xtenMal ohne jeden Erfolg ausgetauscht haben. Danke.

    Lieber Daywalker. Dieser Hinweis ist unnötig und irgendwie ja auch beschämend. Das meine ich wirklich ganz im Ernst!. Das einzige Mal, daß ich Dich persönlich erwähnte war, wegen des fehlenden Hinweises. Mehr nicht!!! Der Rest orientiert sich rein an der Sache ansich.
    Wenn Du weiterhin Paranoia schieben und schlechte Laune verbreiten möchtest, blos weil Du fürchtest irgendeine Diskussion könnte drohen, dann mach ruhig weiter so. Es ist DEINE persönliche Wahl die Dinge so zu sehen. Ich sehe dies definitiv nicht als mein Problem an!
    Ich hatte meine Meinung geäussert und das wars. Ich bin wirklich fassunglos über Deine Probleme damit!

  3. @ChiefJudy
    – geiles HD-Display
    – tolle Haptik
    – längere Akkulaufzeit
    – sehr schnell
    – Multitasking (OS)
    – 5 MP Kamera mit Blitz und 2. Kamera vorn

    – Empfangsprobleme, je nach Haltung – aber mit Gummihülle oder orientiertem Griff geht alles seinen Gang

    Ich würde an Deiner Stelle, wenn das kein Problem ist, noch etwas warten – man munkelt ja, dass die Nachlieferungen u.a. nach Germoney deshalb verzögert eintreffen, weil mit einer Revision des Problem begrenzt oder beseitigt werden könnte.

    Für mehr Infos -> fragen ;-)

  4. Jetzt mal Butter bei die Fische: Ist das alles wirklich so schlimm? Soll ich noch warten bis ich mir ein neues iPhone hole, oder kann man es trotzdem einigermaßen benutzen? Ist das Antennenproblem das einzige Manko, oder gibt’s da noch andere kinderkrankheiten?

    Anmerkung dazu: Ich habe weder Schwitzefinger, noch große Hände…

  5. @Master.Day & pixelpiet
    Wie das auch schon in früheren Diskussion war, – beide haben für ihr Teil recht.
    Was mich dabei beeindruckt ist die auch mir doch sehr bekannte Erwartungshaltung ( nein, nicht in Steve Jobs ) von euch in euch.
    ( Jetzt hör ich Master.Day stöhnen: “ Drako, mit seiner Harmonie-Masche…“ )
    Und, wie immer in solchen Situationen schau ich gar nicht so sehr aufs Thema ( Ich habs nicht mit Apple, zuviel Design, zu wenig eigene Hardware – Konfigurationsmöglichkeiten, und deswegen zu wenig Eigenverantwortung fürs Produkt… ), sondern auf die Art, wie sich die beiden alten Kampfhähne geben.
    ;-)
    Was für eine Haß – Liebe.
    Ganz ernst, und doch auch wieder nicht gemeint.
    ihr braucht euch, stimmts ?
    ohne euch wär das Leben weniger wert.
    nice weekend
    jetzt müßte hier der Drako-Smilie rein… smiley by greensmilies.com

  6. @pixel.piet
    Danke für den Hinweis – ich hatte das tatsächlich vergessen und habe es im Text ergänzt.

    Aber … und das ist leider wie in jeder unserer Diskussionen … ich habe nicht behauptet, dass ich Perfektion erwarte, sondern ich habe gesagt, dass ich erwarte, dass Apple nicht die gleiche elende Verschleierungs-, Verzögerungs- und Verwässerungstatik anwendet, die alle grossen Firmen offenbar ‚auszeichnet‘. Und ich hörte am Ende ein eindeutiges: „Es gibt kein Antennenproblem“ von Herrn Jobs …

    Das Vorgehen und das Handling enttäuschen mich und verdienen meinerseits keinen Respekt. Das ist meine persönliche Meinung die ich hier kundtue und mehr ist dazu zusammenfassend nicht zu sagen.

    Und bitte erspare mir an dieser Stelle alle weiteren Kommentare zur Art und Weise des Diskussionsstils, die wir an anderer Stelle xtenMal ohne jeden Erfolg ausgetauscht haben. Danke.

  7. Was aber, wenn es doch so ist wie Jobs es darstellt? Ähnliche Probleme mit der Empfangs- und Sendestärke bzw. mit der Antenne, je nach dem wie man sein Handy hält, haben andere Hersteller ziemlich offensichtlich auch (man hörte und las davon nicht nur von Apple). Wie gehen die anderen Hersteller damit um?
    Die immer weiter fortschreitende Miniaturisierung birgt eben auch entsprechende Risiken, entsprechend natürlich auch die immer kürzer werdenden Produktzyklen, der Zwang in kürzester Zeit etwas Neues, noch hipperes zu entwickeln (und dann möglichst auch noch zeitgemäße Funktionen zu integrieren). Oder könnte sich jemand beispielsweise das iPhone mit einer nicht mehr zeitgemäßen ausziehbaren oder festen, hervorstehenden Antenne vorstellen?
    Und andersherum, warum sollte Apple Probleme anders lösen? Warum werden hier höhere Erwartungen geschürt, nur weil es in diesem Fall und für diese Marke dieser Fehler vorher medial ziemlich hochgekocht wurde? Warum gelten für Apple grundsätzlich andere Maßstäbe?

    Ich möchte keinesfalls das Problem oder auch einen eventuell möglichen Designfehler bei der Entwicklung schön reden, aber ich denke man sollte das Vorgehen von Apple, die Fehlersuche und auch die Lösung auch direkt mit ähnlichen Problemen und Vorgehen anderer Hersteller in Bezug bringen.
    Solche Probleme können (leider auch) passieren und vorkommen. Im Vergleich geht Apple da bei einer Lösung für den Kunden meines Erachtens schon recht weit (die genaueren Bedingungen rund um selbst gekaufte Hüllen muß man halt jetzt erstmal abwarten).
    Ich hätte da ehrlich gesagt auch nicht wirklich mehr erwartet (Umtausch oder Reparatur stellt hier wohl keine Lösung dar) und habe da tatsächlich eher Respekt für Jobs, daß er dem Druck, medial und aus dem Internet nicht weiter nachgegeben hatte. Aber mein Respekt für Steve Jobs gründet sich eh eher auf anderen persönlichen Aspekten ;-)

    Daywalker verschweigt aber noch etwas Wichtiges, es gibt nicht nur eine kostenlosen Hülle für alle iPhone 4 Besitzer (sogar für alle bis September neu gekauften iPhone4!), sondern jemand, der mit dieser Lösung nicht zufrieden ist kann sein iPhone auch jederzeit zurückgeben.
    In sofern gilt eben auch das, was in dem Spot vor der Pressekonferenz vorgesungen wurde. Niemand, der es nicht will muß ein iPhone kaufen, und jeder kann sein iPhone 4 auch zurückgeben wenn er nicht zufrieden ist ;-)

    Jobs hat sehr eindeutig am Anfang der Pressekonferenz betont, daß weder Apple, noch Telefone bzw. Handys perfekt seien. An der Entwicklung sind Menschen beteiligt, die genauso fehlerbehaftet sind wie wir alle. Es wäre törricht zu glauben alle Unwegbarkeiten könnten im Vorfeld einer Entwicklung ausgeschlossen werden oder er müßte sich jetzt für sein „Baby“ entschuldigen. Natürlich ist es einfacher mit dem Finger auf andere zu zeigen ;-) Bleibt aber zu hoffen, daß Apple für das nächste Produkt etwas dazulernt. Aber zu erwarten Apple müße in allem nur zu perfekt sein, halte ich persönlich für reichlich überzogen.

  8. Bei Nintendo gab es Anfang 2007 zwei ähnliche Probleme. Zu erst einmal hatte die erste Generation der Wii-Remote eine zu dünne Handgelenkschlaufe, die in vielen Fällen gerissen ist. Nintendo hat schnell reagiert und alle Wii-Besitzer konnten sich gratis neue Schlaufen liefern lassen. Einige Zeit später war dann auch klar, dass die Fernbedienung trotzdem gegen Gegenstände stoßen kann (wenn man mal zu viel Elan in den Schwung einsteckt und zu nah am Fernseher steht zum Beispiel). Und wieder hat Nintendo sofort reagiert: für jede Fernbedienung konnte man sich kostenlos eine Silikonhülle schicken lassen, mit der der Controller auch deutlich angenehmer in der Hand liegt.

    Dass Apple sowas anders handhaben würde, war abzusehen. In Cupertino macht man nunmal keine Fehler und hat immer Ausreden parat. Sympathiepunkte muss man dann aber in meinen Augen auch nicht erwarten…

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